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LYRIK-MANIFEST
 

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Was ist ein Gedicht? Alles und Nichts. Eine Annäherung an die uns bekannte Welt
auf einem einzigen weißen Blatt Papier.

Esse est percipi. Sein ist wahrgenommen werden. Wo existiert Lyrik?

In Schubladen. In Gedichtbänden, deren Publizierung mangels Erreichen von
Öffentlichkeit nur formal als solche bezeichnet werden kann. In Buchhandlungen ist
sie rar, gut versteckt, wenn überhaupt vorhanden. Die Moderne auf einem Regalbrett
zusammengefasst. Das Wechselspiel von Markt, Angebot und Nachfrage fällt unter
den bestehenden Bedingungen zu Ungunsten der Schreibenden aus.

Es gilt, neue Möglichkeiten und Wege zu finden. Erweiterungen, nicht abseits,
sondern parallel zu den gewohnten Methoden. Es gibt viele Orte, an denen Lyrik
gepflegt wird, der Zugang zu ihnen muss erleichtert werden.

Die Orte müssen sich bewegen.

Die meisten Gedichte haben eine große Chance. Sie sind kurz. Sie passen damit
grundsätzlich gut in unsere Zeit. Sie passen auf Plätze, die sie sich erobern können.
Sie können die neuen elektronischen Medien, T-Shirts, Bilder, Plakate,
Einkaufstaschen oder sonstige Gegenstände des Alltags besetzen. Sie können sich
festsetzen. Dort, wo sie nicht vermutet werden. Als Stützpunkte für Autor und Leser.





 

Warum schreibst du
noch immer
Gedichte
obwohl du
mit dieser Methode
immer nur
Minderheiten erreichst

fragen mich Freunde
ungeduldig darüber
daß sie mit ihren Methoden
immer nur
Minderheiten erreichen

und ich weiß
keine Antwort
für sie

Erich Fried



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